Kunst und Kultur brauchen kein großes Dorf - so wurde aus einer spontanen Idee ein überregionales Ereignis
Bei dem gemeinsam mit dem Bayerischen Gemeindetag veranstalteten Wettbewerb „Dorf vital“ 2007 wurde Großbreitenbronn als Preisträger in der Kategorie „Dörfer mit herausragenden Teilleistungen zur Vitalitätsverbesserung“ ausgezeichnet. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat zu diesem Anlass das Projekt mit folgendem Inhalt gewürdigt:
Im mittelfränkischen Großbreitenbronn werden 2007 bereits der 8. Kunsthandwerkermarkt und der 6. Adventsmarkt stattfinden. Den Grundstein dazu legten eine einheimische Naturfloristin, eine Keramikerin sowie eine zugezogene Goldschmiedin. Ihrer spontanen Idee, selbst einen Kunsthandwerkermarkt zu initiieren, folgten bei der Premiere im Schulgarten schon zwölf Aussteller. Heute sind es ausgewählte 30 Anbieter beim Adventsmarkt und sogar 60 beim Kunsthandwerkermarkt.
Kunsthandwerk erleben
Wie konnte sich diese Idee im kleinen Großbreitenbronn, einem eher unauffälligen Straßendorf mit 130 Einwohnern, einer Kapelle und einem zu Wohnzwecken umgenutzten Schulgebäude so erfolgreich entwickeln? Das Erfolgskonzept lautet: Hinter der Ausstellungsinitiative der drei Frauen und dem Verein „Handwerkskunst im alten Schulgarten e. V.“ stehen alle Dorfbewohner. Denn alle helfen zusammen, um den inzwischen rund 6.500 Besuchern „ihren“ Kunsthandwerkermarkt gut organisiert und ansprechend zu präsentieren. Ziel der Verköstigung der Gäste in ausschließlicher Eigenregie ist nicht der Gewinn für die Veranstalter, sondern Kostendeckung und Zug um Zug die Beschaffung des notwendigen Inventars für die nächsten Märkte. Musik und ein interessantes Kinderprogramm runden die Märkte in Großbreitenbronn zum Erlebnis für die ganze Familie ab. Hier wird auch bewiesen: Kinder haben mehr Spaß am kreativen Spiel in einem Strohhaufen als an einer der inzwischen weit verbreiteten Hüpfburgen.
Auch kleinere Dörfer schreiben Baugeschichte
Prägendes Relikt der Geschichte Großbreitenbronns ist die Turmruine aus dem 16. Jahrhundert. Sie ist das von allen Bürgerinnen und Bürgern geachtete Wahrzeichen mitten im Dorf, das auf das Marktgelände am Dorfplatz einlädt. Bald bietet die Turmruine noch mehr Ausstellern ein besonderes Ambiente im restaurierten gotischen Gewölbe. Dass in Großbreitenbronn auch andere Gebäude, die oftmals leer standen, geachtet werden, zeigt die Zuordnung neuer Funktionen: Aus der Gemeindescheune wurde der Dorftreff, das alte Schulnebengebäude beherbergt nun die Goldschmiede und aus ehemaligen Stallungen wurde Wohnraum. Die Großbreitenbronner Bürgerinnen und Bürger legen auch Wert darauf, dass die Turmuhr stets die richtige Zeit anzeigt. Denn sie ist ein Symbol für die Vitalität des Dorfes und Ausdruck dafür, dass Großbreitenbronn Schritt halten will mit der Zeit.
Herausragendes Arbeitsplatzangebot
130 Einwohner – 50 Arbeitsplätze: das ist eine bemerkenswerte Relation, und das insbesondere, weil diese Arbeitsplätze breit gestreut sind. Zum besonderen Geist des Dorfes trägt beispielsweise ein Heizungsbauer mit dem Schwerpunkt alternative Energien bei. Die Goldschmiede ist zum Einkaufstipp in der ganzen Region geworden. Und mit der Landmaschinenwerkstatt haben die drei Voll und sechs Nebenerwerbsbetriebe einen wichtigen Partner direkt im Dorf. Apropos Landwirtschaft: Wie einst die Vorfahren bauen Landwirte jetzt wieder Kraut an und vermarkten es selbst. Geplant zur weiteren Erhöhung der Wertschöpfung und zur Verbesserung der Nahversorgung ist auch ein Dorfladen im ehemaligen Gefrierhaus.
Im Verbund stark für morgen
Vielleicht war die zwischenzeitlich wieder verworfene Idee, einen Campingplatz einzurichten, die Grundidee, Wertschöpfung im Einzugsbereich des Fränkischen Seenlandes zu erzielen. Jetzt ist man in Großbreitenbronn bestrebt, über die kommunale Allianz „Altmühl – Mönchswald“ sanften Tourismus aufzubauen. Ganz in diesem Sinne wirkt bereits die Veranstaltung „Tatort Kunst“, eine Zusammenarbeit mit dem Gymnasium in Wolframs-Eschenbach und ein Projekt der Schüler im Leistungskurs Kunst. Auch der Dorfbach soll nun – anstelle des einmal geplanten künstlichen Dorfweihers – renaturiert werden und Dorf und Landschaft verbinden. Möglich wird dieses Projekt durch das Bodenmanagement der Ländlichen Entwicklung, mit dem der erforderliche Grund und Boden an der richtigen Stelle zur Verfügung steht. Dies alles zeigt: Mit Idealismus und vielfältigen Gemeinschaftsinitiativen verbessern die Großbreitenbronner Lebensqualität und Attraktivität des Dorfes.
Dorferneuerung Großbreitenbronn, Stadt Merkendorf, Lkr. Ansbach
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